Kategorie: Meine Geschichte

ES WAR EINMAL EIN MÄDCHEN NAMENS JULIA.

Nicht, weil dies ein Märchen ist.

Sondern weil jede große Geschichte irgendwann dort beginnt:

bei einem Kind,
das noch nicht wusste,
wer es einmal werden würde.

Julia war ein Mädchen, das früh spürte,
dass die Welt größer war als das, was man sehen konnte.

Sie beobachtete Menschen.

Ihre Augen.
Ihre Stimmen.
Ihre Stille.

Sie bemerkte, wenn jemand „alles gut“ sagte
und nichts gut war.

Sie fühlte Räume, bevor jemand ein Wort gesprochen hatte.

Sie stellte Fragen, auf die Erwachsene manchmal keine Antworten hatten.

Und wie so viele Kinder lernte auch sie irgendwann, dass man nicht mit allem, was man fühlt, in diese Welt hineinpasst.

Also begann sie zu lernen.

Wie man funktioniert.

Wie man stark ist.

Wie man weitermacht.

Wie man sich anpasst.

Wie man etwas aus seinem Leben macht.

Wie man liebt.

Wie man hält.

Wie man verliert.

Wie man wieder aufsteht.

Und vielleicht kennst du dieses Mädchen.

Vielleicht warst du selbst einmal dieses Kind.

Das so viel wahrnahm und irgendwann begann, weniger davon zu zeigen.

Das wusste, was es wollte, bevor ihm die Welt erklärte, was vernünftig wäre.

Das laut lachen konnte und trotzdem Dinge in sich trug, von denen niemand etwas wusste.

Das irgendwann so gut darin wurde, zu funktionieren, dass kaum jemand bemerkte,
wenn es sich selbst dabei verließ...


Julia wurde älter.

Aus dem Mädchen wurde eine Frau.

Und die Frau begann zu suchen.

Sie suchte in Wissen.

In Psychologie.

Im Körper.

In Beziehungen.

In Spiritualität.

In Energie.

In anderen Menschen.

In sich selbst.

Sie lernte.

Sie las.

Sie fühlte.

Sie fiel.

Sie liebte.

Sie verlor.

Sie begann neu.

Immer wieder.

Und lange dachte sie, dass all diese Wege irgendwann zu einer Antwort führen würden.

Zu diesem einen Punkt, an dem man sagen kann:

Jetzt habe ich es verstanden.

Aber dieser Punkt kam nicht.

Etwas viel Schöneres kam.

Die Erkenntnis, dass das Leben vielleicht überhaupt nicht darauf wartet, von uns vollständig verstanden zu werden.

Vielleicht möchte es erlebt werden.


Und irgendwann begann Julia, die einzelnen Teile nicht mehr voneinander zu trennen.

Die Frau nicht von der Heilerin.

Die Sinnlichkeit nicht von der Tiefe.

Den Körper nicht von der Seele.

Die Psychologie nicht von der Energie.

Das Wissen nicht von der Intuition.

Die Stärke nicht von der Verletzlichkeit.

Das Licht nicht von den dunklen Zimmern.

Sie hörte auf zu fragen:

Welche davon bin ich?

Und begann zu verstehen:

Ich bin all das.

Es war das ihre eigentliche Rückkehr.

Nicht die Reise zu einer besseren Julia.

Sondern zurück zu dem Mädchen,
das einmal wusste, dass die Welt größer ist als das Sichtbare.

Nur dass diese Frau heute Worte dafür hat.

Erfahrung.

Wissen.

Handwerk.

Und den Mut, ihrer Wahrnehmung nicht mehr auszuweichen.


Vielleicht liest du meine Geschichte gerade
und merkst, dass irgendwo darin auch deine steht.

Vielleicht bist du an einem vollkommen anderen Punkt.

Vielleicht hattest du eine andere Kindheit.

Andere Verluste.

Andere Lieben.

Andere Entscheidungen.

Und trotzdem kennst du vielleicht dieses Gefühl:

Ich weiß, dass da noch etwas von mir ist.

Unter all den Rollen.

Unter dem Funktionieren.

Unter dem Müssen.

Unter dem Bild, das andere von dir haben.

Unter dem Menschen, den du gebraucht hast, um bis hierher zu kommen.

Da ist noch jemand.

Nicht neu.

Nicht besser.

Nicht optimiert.

Vielleicht sogar sehr alt.

Sehr ursprünglich.

Sehr wahr.

Du.


Und ich glaube, unser Leben besteht gar nicht darin, immer mehr zu werden.

Wir verbringen die erste Hälfte unseres Lebens damit, uns eine Identität aufzubauen und irgendwann beginnt etwas in uns, sie wieder auszuziehen.

Schicht für Schicht.

Und nicht weil alles daran falsch war.

Sondern weil wir es nicht mehr brauchen.

Bis irgendwann nicht mehr viel übrig bleibt,

außer diesem Menschen, der unter all dem die ganze Zeit gelebt hat.


Das Mädchen Julia ist nicht verschwunden.

Ich trage sie noch immer in mir.

In meiner Neugier.

In meiner Wildheit.

In meiner Sinnlichkeit.

In meiner Art, Menschen anzusehen.

In meinem Glauben daran, dass hinter dem Offensichtlichen fast immer noch eine weitere Tür liegt.

Genau deshalb meine Arbeit entstanden.

Weil ich nicht daran interessiert bin, aus dir einen anderen Menschen zu machen.

Ich möchte wissen, wer unter all dem auf dich wartet.

Nicht die perfekteste Version von dir.

Nicht die spirituellste.

Nicht die erfolgreichste.

Nicht die geheilteste.

Sondern die wahrste.


Heute begleite ich Menschen.

Mit allem, was ich gelernt habe.

Und mit allem, was ich niemals aus einem Buch hätte lernen können.

Ich begegne dem Körper.

Der Psyche.

Der Geschichte.

Der Seele.

Dem Sichtbaren.

Und manchmal auch dem,
für das wir noch keine Sprache haben.

Nicht weil ich alle Antworten kenne.

Sondern weil ich gelernt habe, bei einer Frage zu bleiben, bis sie beginnt, ihre eigene Tür zu öffnen.


JULIVERSUM ist deshalb weniger ein Ort, an dem du etwas über mich erfahren sollst.

Es ist es ein Ort, an dem meine Geschichte dich für einen Augenblick an deine eigene erinnert.

An das Mädchen.

An den Jungen.

An den Menschen vor all den Rollen.

An die Version von dir, die noch nicht wusste, was sie leisten, beweisen, tragen oder überwinden muss.

An etwas in dir, das vielleicht niemals verschwunden war.

Nur leiser geworden ist.

Und wenn du beim Lesen plötzlich etwas davon spürst, dann musst du noch nicht wissen,
was du damit machen möchtest.

Vielleicht reicht für diesen Moment:

Da bist du ja.

Und genau hier beginnt deine Rückkehr.

Nicht mit einer Antwort.

Sondern mit dem Augenblick, in dem wir uns selbst nach langer Zeit

wiedererkennen.

— deine Julia

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